Hydraulischer Abgleich / zwei Heizkreise

Hallo zusammen,
ich habe ein EFH: zwei separate Heizkreise → 1x Heizkörper und 1x Wandheizung mit Mischer.
Wie kann ich den hydraulischen Abgleich für die zwei Kreise machen, so dass ich auch zwei verschiedene Vorlauftemperaturen „einstellen“ kann?
Muss ich dann in zwei Nutzungseinheiten aufteilen?
Grüße

Hallo Tobi, ganz genau, Du erstellt zwei Nutzungseinheiten und dann für jede Nutzungseinheit eine Raumheizlast und einen hydr. Abgleich

Guten Morgen Jonathan,
alles klar, vielen Dank für die schnelle Rückmeldung.
Grüße
Tobi

Hallo Jonathan, eine Frage hierzu. Wenn in einem EFH zwei Heizkreise vorhanden sind, allerdings z.B. in der Essküche eine FBH und ein Heizkörper im Bestand sind - wie wird das erfasst? Über getrennte Nutzungseinheiten geht es nicht, oder ich habe einen Denkfehler. Grüße

In der Praxis würd ich erstmal schauen:
sind es wirklich 2 Heizkreise?

Wir haben oft

  • FBH mit RTL-Ventilen (… im HK-Heizkreis)
  • FBH an Festwertregelsatz („Mischer“ in der Regel rein mechanisch/Thermostatisch mit RTL Regler, Pumpe dahinter) (… irgendwo am HK-Heizkries angeschlossen)
  • und manchmal echten 2. Heizkreis mit geregeltem Mischer & Pumpe direkt am Heizungssystem

Fall 1 und 2: Die FBH landet mit im gleichen Heizkreis wie die Heizkörper → Einfach ganz normal bei EVEBI mit im Raum eingeben.

Fall 3 braucht einen echten 2. Heizkreis. Das können wir so (noch) nicht.

Empfehlung / Workaround:

Neuen Raum in anderer Nutzungseinheit anlegen. Hier manuell einen Heizlastteil zuweisen, der mit der FBH erbracht werden soll. Ggf. mit dem Anteil etwas herumspielen. Wenn zufrieden, dann auch die Heizlast im ursprünglichen Raum manuell eingeben - Also von der echten Heizlast die in der Raumkopie angegebene Heizlast subtrahieren.

Dann gibt es im Fall einer WP-Sanierung noch den Fall: Ich habe noch eine handvoll Heizkörper mit im System, der „nach Lehrbuch von 1980“ arbeitende Installateur installiert dafür einen 2. Heizkreis bzw. behält diesen bei. Leider erlebt man es sogar manchmal im Neubau.

Das Problem: Die Wärmepumpe muss immer die Temperatur des höchsten Heizkreises erzeugen, der andere wird daraus heruntergemischt: Der Wärmepumpenwirkungsgrad geht in den Keller. Geht es nur um 1-2 Räume mit Heizkörpern, kann ich diese eventuell mit sehr hohen Volumenströmen/kleinen Spreizungen betreiben, ggf. mit Lüftern versehen (oder direkt Wärmepumpenheizkörper kaufen) und lande dann auf der FBH Temperatur mit nur leichten Komfort-Einbußen.

Im Rahmen einer Anlagenoptimierung kann man hier schauen, ob nicht FBH und Heizkörper mit der gleichen Temperatur laufen können. Das ist dann der Fall, wenn die notwendigen Auslegungstemperaturen sehr nah beieinander liegen bzw. wenn dies mit einfachem Heizkörpertausch möglich ist.
Der 2. Heizkreis verkompliziert eine Anlagenhydraulik ausreichend, dass man davon absehen sollte ihn zu verbauen, wenn er nicht unbedingt nötig ist. Natürlich geht das nur, wenn er wirklich nicht unbedingt nötig ist.

Hallo Matthias,

danke für die Antwort. In der Tat ist es hier so, dass 2 echte Heizkreise existieren. Gem. Einstellungen sieht es so aus, dass der HK Heizkreis mit 50 Grad Vorlauf fährt, die FBH mit ca 42 Grad. Ich habe versucht es mit dem Workaround abzubilden, seltsamerweise verändert Evebi dann die Heizlasten, sobald ich einen zweiten Gebäudeteil einfüge. Wie ist denn im Programm die Logik zwischen Gebäudeteilen bzw. Geschossen? Ein Raum im KG hat eine höhere Heizlast als der selbe Raum im EG. Frage deswegen, da ich einen mitbeheizten Kellerabgang im Vorbau habe, wenn ich die Räume vereinige und ins EG verschiebe, verringert sich die Heizlast. Oder wo ist der Denkfehler…? Viele Grüße

Ich vermute mal, dass es daran liegt, dass die Summer der Raumheizlasten nicht immer der Gebäudeheizlast entsprechen, da die Lüftungswärmeverluste teilweise anders berücksichtigt werden. Haben Sie geprüft, an welcher Stelle die Differenz auftritt? Ich vermute mal, bei den Lüftungswärmeverlusten

In den einzelnen Räumen werden die Lüftungswärmeverluste (im Bericht: Zonenübersicht, Heizlast Spalte 15) zu 100% in die Normheizlast des Raumes einberechnet. In die Norm-Heizlast der Nutzungseinheit hingegen kommt es zu einer Abminderung der berechneten Lüftungswärmeverluste bezogen auf die Zone um 0,5, sobald die Nutzungseinheit mindestens 2 Räume beinhaltet.

Hier fließen die Lüftungswärmeverluste also nur noch zur Hälfte ein (im Bericht: Zonenübersicht, Heizlast Spalte 12). So erklärt sich auch die Differenz zwischen Norm-Heizlast der Nutzungseinheit und der Summe der Norm-Heizlasten aller Räume.

Nachzulesen ist dies in der aktuellen Normfassung DIN 12831-1: 2017 in Kapitel 6.3.3.2.2, Gleichung (13) in Verbindung mit der Tabelle B.5 derselben Norm, welche den Faktor f_i-z vorgibt. Der Lüftungswärmeverlust der Zone berechnet sich nach (13) aus der Summe aller Einzelräume, multipliziert mit dem Faktor f_i-z (Verhältnis Mindestwert Luftvolumenstrom eines Raumes und des Luftvolumenstromes der Zone).

In die Heizlast des Raumes gehen auch die Temperaturen hinter den angrenzenden Flächen ein. Im Keller könnte dann das kalte Erdreich zu einer höheren Heizlast führen, als wenn der Raum im Erdgeschoss ist und vielleicht sogar einen beheizten Raum unter sich hat.